Die Komplexität des Rechtsverkehrs bringt es allgemein mit sich, dass Rechtsberatung auf den verschiedensten Gebieten auch von Nichtanwälten angeboten wird. Warum empfiehlt es sich, bei rechtlichen Problemen einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen? Was hat der Rechtsanwalt im Vergleich zu Nichtanwälten an Vorteilen zu bieten?

Gesetzliche Regelung des Anwaltsberufes

Der Beruf des Rechtsanwaltes ist gesetzlich geregelt. Nur wer die fachlichen Voraussetzungen, das heisst, ein juristisches Studium, ein bestimmtes Praktikum und die erfolgreiche Ablegung der Rechtsanwaltsprüfung nachweist, wird als Rechtsanwalt zugelassen. Nur der Rechtsanwalt ist berechtigt, berufsmässig Rechtsberatung zu erteilen und eine Partei in gerichtlichen, aussergerichtlichen, privatrechtlichen und öffentlichrechtlichen Angelegenheit zu vertreten.

Berufshaftpflichtversicherung

Der Rechtsanwalt ist verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestdeckungssumme von CHF 1 Mio. abzuschliessen. Sollten Fehler passieren, sind Schäden daraus versichert.

Unabhängigkeit

Der Rechtsanwalt muss seinen Beruf unabhängig, im eigenen Namen und eigenverantwortlich ausüben können. Finanzielle oder andere Abhängigkeiten könnten ihn nämlich daran hindern, die Interessen seiner Mandanten bestens zu wahren.

Freiheit von Interessenkonflikten

Der Rechtsanwalt muss bei der Übernahme eines Mandates frei sein von Interessenkollisionen. Er darf also ein Mandat nicht annehmen, wenn er die Gegenpartei in der gleichen oder einer damit zusammenhängenden Sache vertreten hat. Er darf insbesondere nicht beide Parteien in demselben Fall dienen oder Rat erteilen. Zum Beispiel darf ein Rechtsanwalt nicht beide Parteien bei der Ausarbeitung eines zwischen ihnen abzuschliessenden Vertrages beraten. Der Rechtsanwalt darf ein Mandat auch dann nicht annehmen, wenn er sich befangen fühlt.

Standesrichtlinien

Die Liechtensteinische Rechtsanwaltskammer hat für ihre Mitglieder verbindliche Berufsregeln (Standesrichtlinien) herausgegeben. Die Einhaltung dieser Berufsregeln wird vom Fürstlichen Obergericht als Disziplinarbehörde überwacht. Diese Berufsregeln haben zum Zweck, die Redlichkeit und Ehrenhaftigkeit des Rechtsanwaltes sicherzustellen und die Ehre und das Ansehen des Rechtsanwaltsberufes zu wahren.

Honorarrichtlinien

Das Honorar des Rechtsanwaltes ist im Rechtsanwaltstarif gesetzlich geregelt. Ausserdem hat die Liechtensteinische Rechtsanwaltskammer für ihre Mitglieder Honorarrichtlinien herausgegeben. Die Rechtssuchenden sollten keine Scheu haben, die Honorarfrage schon beim ersten Termin anzusprechen um mit dem Rechtsanwalt eine Honorarvereinbarung zu treffen. Die Vereinbarung eines Erfolgshonorars ist dem Rechtsanwalt untersagt.

Anwaltsgeheimnis

Der Rechtsanwalt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das heisst, er muss über das ihm erteilte Mandat Stillschweigen bewahren. Er darf nichts sagen, muss aber auch nicht, denn er geniesst das gesetzliche Privileg, weder in einem Zivil-, noch in einem Strafverfahren zu einer Aussage über ein ihm erteiltes Mandat gezwungen werden zu können. Ausserdem gilt ein Beschlagnahmeverbot von Dokumenten (Schriftstücken, Bild-, Ton- oder Datenträgern). Der Rechtsanwalt kann also auch nicht gezwungen werden, Dokumente über ein Mandat herauszugeben.

Garant des Rechtsstaates

Der freie Rechtsanwalt ist Garant des Rechtsstaates, denn er ist rechtskundig, unabhängig, frei von Interessenkollisionen und verschwiegen. Mit seiner Argumentation dient er der Fortentwicklung des Rechts.